Runder Tisch Riehl

Runder Tisch Riehl – Grundlagen und Ideen
Überblick über Entstehung und Arbeit des “Runden Tisch Riehl”
Stand August 2015

Mitte Februar 2014 gab es die erste Information, dass Flüchtlinge auch in Riehl untergebracht würden, und zwar im ehemaligen Versorgungsamt in der Nähe des SBK in der Boltensternstraße 10. Direkt gab es eine Reaktion von Pro Köln, die versuchten, Ängste vor allem bei den Bewohnern des SBK (“Riehler Heimstätten”) zu schüren. Die meisten Riehler erfuhren davon jedoch erst durch einen Bericht im Kölner Stadtanzeiger vom 20.2.2014.

Die direkten Nachbarn des Heims schlossen sich zusammen. Sie hatten sich zwar über fehlende Information seitens der Stadt Köln geärgert, wollten den Flüchtlingen aber helfen.

Etwa gleichzeitig fanden andere Riehler, man dürfe die Propaganda von Pro Köln nicht so stehen lassen und überlegten, auf welche Weise man möglichst viele Menschen in Riehl dafür gewinnen könne, die Flüchtlinge im Stadtteil willkommen zu heißen und ihnen Unterstützung anzubieten.

So gab es dann am 27.3.2014 beim Körner’s – einer Riehler Gaststätte – das erste Treffen “Runder Tisch Riehl” mit 44 Interessierten – darunter Vertreter der Parteien (CDU, FDP, SPD, Grüne, Linke), der Kirchen (der katholischen, protestantischen, evangelisch-freikirchlichen und der jüdisch-liberalen Gemeinden in Riehl) und der RIG (Riehler Interessen Gemeinschaft).

Von Anfang an war uns wichtig, möglichst viele auch unterschiedliche Menschen und Meinungen zusammen zu bringen. Grundlage und Ziel der Initiative sind es, die Menschen, die jetzt in Riehl leben und sicher alle eine andere Lebensplanung in ihren Familien hatten, hier willkommen zu heißen und auf ihrem Weg in einen erträglichen Alltag zu begleiten. Außerdem wollen wir etwas dagegen unternehmen, dass diese Menschen zu Wahlkampfzwecken von rechten Parteien missbraucht werden. Das finden wir im Wortsinn menschenverachtend.

Weg in den Alltag nehmen wir wörtlich: Zum Beispiel Grundschulkindern und ihren Eltern den Weg zur Schule zu zeigen: durch Kontakte zum Schulamt, zum Sozialamt, zu den Schulen, Hilfe bei der Beschaffung von Schulsachen und KVB – Tickets. Man kann sich vorstellen, das bedeutet Anpacken “vor Ort”.

Für die Struktur des “Runden Tisches” ist uns wichtig, dass möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten anpacken und uns unterstützen, jede/r nach seinen zeitlichen Möglichkeiten und auch der Freude an seiner Aktivität.

Dementsprechend wollen wir auch keine Vereinsstrukturen, keinen Vorstand und keine Hierarchie innerhalb der Gruppe. Natürlich ergeben sich in der praktischen Tätigkeit unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte.

Unsere Unterstützung kam bei der Heimleitung der Boltensternstraße 10 – Träger ist das Deutsche Rote Kreuz – gut an und es gibt eine konstruktive und freundliche Zusammenarbeit.

So viel zu den Grundlagen. Weiter mit dem bisherigen Verlauf:

Am Sonntag, dem 6.4.2014, trafen wir uns auf dem Heimgelände zu einem Begrüßungsfest mit den Flüchtlingsfamilien. Dank des guten Wetters und vieler Sachspenden war das eine runde Sache. Ein ebenso gut gelungenes Sommerfest gab es am Sonntag, dem 7.9.2014. Diese Feste dienen vor allem dazu, sich kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Fotos von beiden Festen hängen im Büro der Heimleitung.

Bei dem ersten Treffen im Körner’s bildeten sich Themengruppen (Schule, Familienhilfe, Sprachförderung, Freizeit, Außen- und Innendienst), die sich treffen und ihre Tätigkeiten intern planen und durchführen.

Weitere Treffen gibt es etwa alle sechs Wochen, das nächste am 12.01.2016 im kath. Gemeindezentrum Garthestraße.

Die Treffen in der großen Runde sind wichtig für den Überblick und den Zusammenhalt des “Runden Tisches”, die eigentliche Arbeit für die Flüchtlingsfamilien läuft jeweils dazwischen.

Situation im Haus Boltensternstraße 10:
Das Heim steht unter der Leitung des DRK. Es leben zurzeit etwa 200 Menschen dort, davon mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Die Situation ist insgesamt entspannt. Dies ist der Heimleitung sowie dem Sicherheitspersonal der Adlerwache zu verdanken, aber auch der Unterstützung durch Ehrenamtliche. Die ehemalige Hausmeisterwohnung kann seit Oktober 2014 für verschiedene Angebote des DRK – z.B. ein Frauenfrühstück montags morgens – und von uns Ehrenamtlern – z.B. Sprachkurse und Musikunterricht – genutzt werden.

Inzwischen gibt es weitere Flüchtlingsheime in Riehl:

In der Boltensternstraße 2 und 4 sind etwa 200 alleinreisende Männer vor allem aus Syrien und Afrika untergebracht. Auch dieses Heim wird vom DRK geleitet.

Von Mitte Februar bis Ende August 2015 gab es eine Notunterkunft des Landes NRW in der Boltensternstraße 10a, auf dem gleichen Gelände wie das erste Haus Boltensternstraße 10. Hier waren bis zu 150 Flüchtlinge untergebracht. Das Haus wurde von den Johannitern geleitet.

Ehrenamtliche Tätigkeiten
Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle, die ehrenamtlich tätig werden wollen, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis brauchen. Die Kosten hierfür übernimmt das DRK. Nähere Informationen zu den Formalitäten gibt es bei den Heimleitungen.

Verhalten zu Aktionen von Pro Köln oder anderen rechten Gruppen
Wir werden uns als Runder Tisch Riehl nicht direkt an Aktionen gegen Pro Köln beteiligen, geben aber Informationen weiter, damit sich jeder ein Bild machen und entsprechend handeln kann.

Ein Beispiel für die Möglichkeiten, wie jede/r Teilnehmer/in am Runden Tisch Riehl seinen Vorstellungen entsprechend aktiv sein kann, zeigten die Aktivitäten gegen die geplante   Abschlussveranstaltung vor der Kommunal- und Europawahl von Pro Köln/NRW am 23.5.2014:

Von der Heimleitung war für diesen Freitagnachmittag ein Zoobesuch mit allen Bewohnern geplant, damit die Flüchtlinge wenig von den Pro NRW Aktionen mitbekommen müssen. Der Zoo hatte Freikarten hierfür zur Verfügung gestellt. Einige aus unserer Gruppe waren mit im Zoo, um die Familien zu begleiten, andere auf den Straßen Riehls und haben mitgeholfen, dass kein rechter Demonstrationszug zustande kam.

Bei „Köln stellt sich quer“, einem Bündnis von Parteien (CDU bis Linke), Kirchen, Gewerkschaften und Initiativen wie „Arsch huh“ – also mit den gleichen Strukturen wie der Runde Tisch Riehl – machen wir mit und haben auch den Aufruf zu der Demo gegen Kögida am 5.1.15 mit getragen.

Inzwischen sind mehr als 30 „Ehrenamtler“ ständig in verschiedenen Gruppen aktiv – es werden aber noch mehr gebraucht.

Für den Runden Tisch Riehl:

Gaby Ditz, Christa Eumann, Walter Eumann, Marielies Froelich

Kontakt:
Christa & Walter Eumann
E-Mail: runder.tisch.riehl@gmail.com
Homepage: http://www.runder-tisch-riehl.de